Die Macht eines Lachanfalls

Eigentlich sollte dieser Blog mit Anelines eigenen Anekdoten aus dem Alltag gefüllt werden. Aber nach wenigen Beiträgen hat diese Idee ihre Macht verloren und den Thron geräumt. Allerlei Beispiele, wie ich das Gedankenspiel innerhalb unseres Menschseins sehe, sind nunmehr zugelassen.
Heutiges Beispiel schildert die Macht eines Lachanfalls bei einer Nachrichtensprecherin.

Also, was gab es im Fernsehen? Vorab: seit jeher ohne Fernseher zu Hause verfolgt Aneline die täglichen Nachrichten via Internetportal zu der ihr genehmen Zeit. Deswegen hat sie nur einen archivierten Sendungsausschnitt gesehen. Nun aber los …

VORSPIEL: Ein Journalist und eine Journalistin sitzen auf einem Sofa und unterhalten sich ungezwungen. Mit Blick in sein iPad klagt der Mann, dass er noch eine gewisse Lücke in digitaler Kompetenz habe. Just in diesem Moment bemerkt seine Kollegin, dass die beiden ihre Kamera-Zeit an die „Tagesschau am Morgen“ abgeben müssen und sagt, dass ihm nur 3,40 Minuten zum Lernen übrig bleiben. Der Witz vom schnellen Lernen kommt sublim daher, weil die Stimme neutral klingt, als wenn sie sich schon an den Sprechmodus einer Nachrichtensendung anpassen würde.

Der Journalist ‚packt sein Problem weg‘, indem er beherzt seine Aufmerksamkeit vom iPad zurücknimmt und auf die bevorstehenden Nachrichten lenkt. Sein Sprechton schwingt sich auf den seiner Kollegin ein: „Sehr gern. Da muss ich mich konzentrieren. Guten Morgen, Susanne“ – begrüßt er die eingeblendete Moderatorin der Tagesschau.
Die Antennen beider Journalistenen werden auf Zuhören geschaltet, während sie mit ernsten Gesichtern vom Bildschirm verschwinden.

Der Energie der Fröhlichkeit scheint der sublime Auftritt nicht gereicht zu haben. Sie bleibt nicht lange im Raum hängen, oh nein, sie vibriert nach „weitermachen“ und blitzschnell erreicht sie die emotionale Empfangsantenne der Moderatorin am Schreibtisch. Ihr Rückgruß „Guten Morgen“ ist vom herzlichen Lachen umweht und lässt die private Menschlichkeit der Sprecherin sonnenhaft erstrahlen. (Aneline schaute dieses „Alltagsglück am Werk“ zigmal an, denn frau mag auch nachschmecken …).

Die Schönheit des Glücks ist immer noch am Strahlen, als die Berufsroutine erscheint und das Ruder übernehmen will.
Von wegen! – meint die Fröhlichkeit. Das „Einen-schönen-guten-Morgen,-meine-Damen-und-Herren“ badet noch im Singsang des Lachens.

Das muss die Alarmglocken aktiviert haben. Für ein  „Oh, Entschuldigung“ rafft das Pflichtgefühl all seine Kräfte zusammen, richtet den Körper der Frau auf, moduliert die helle Stimme der Freude herunter, um die Fernsehzuschauer als eine neutrale Nachrichtensprecherin voller Ernst anzusprechen. „Bundeskanzler Scholz trifft sich…“

Für mehr hat es nicht gereicht, wieder kommt die Lebensfreude durch, ihr Lachen will einfach nicht weichen.

Nun scheint die Privat-Instanz (mangels eines besseren Begriffs) der Moderatorin ihre Beobachterrolle aufzugeben, um die Pflicht irgendwie zu unterstützen – bloß wie … „Oh Gott, was jetzt ..?“ Dem folgt noch ein flehentliches „Oh, Mann!“

Eine Lösungsidee wird aber nicht benötigt, die energetische Allianz allein wirkt sich aus. Die gestärkte Pflicht erhebt den Kopf „Aber jetzt!!!“ und installiert wieder die Rolle der ernsten Nachrichtensprecherin. Für … nur einen Satz über das Treffen des Kanzlers mit den Vertretern der Chemie-Industrie. Das Lachen unterbricht sie zwar wieder, es scheint allerdings am Ende seiner Kraft angekommen zu sein. Die Pflichtidee ringt unbeirrt weiter, gewinnt an Macht für ihre beabsichtigte Aktion: „Ich krieg das hin. Ich muss…“ 
/Der Filmschnitt erfolgte ein paar Sekunden zu schnell, um zu sehen, wie sich die Siegerin etabliert.

Mein Artikel hat aus Urheberrechtsgründen auf ein Originalfoto der Moderatorin verzichtet – KI hat für Ersatz gesorgt; und Photoshop für die Kulisse dahinter. Unsere Fernseh-Dame hat aber der Veröffentlichung des Filmausschnitts in der Mediathek zugestimmt … Den Link dahin gibt es zum Beispiel in der Wikipedia.

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