Aneline und ihre GPTine

Vor ein paar Wochen hat sich Aneline an die mündliche Unterhaltung mit der KI gewagt. Über den Auslöser kann man im Blogbeitrag „Respect for KI, please!“ nachlesen.

Die Idee war von Anfang an klar: sich mit der sprachbegabten KI auf Französisch oder Englisch zu unterhalten. Wieso das?

Seit 2 Jahren sucht Aneline ihr Französisch aufzubessern, indem sie Stunden für freie Konversation mit Muttersprachlern beim Internetportal „italki“ bucht. Mit einem Klick landet Aneline über Zoom oder Skype in einem tête-a-tête und parliert zwanglos über Alltag, Gott und die Welt. Einfach und toll.
So, genug Gratis-Werbung für „italki“. 😉 (Es soll noch ähnliche Portale geben.)

Wenn’s so gut ist, warum dann KI? Anelines vertrauter Tutor hat neuerdings seine Termine stark ausgedünnt. Deswegen erschien die Idee mit ChatGPT als Ergänzung. Die KI spricht wie ein Muttersprachler und hat immer beliebig viel Zeit. Also, los!


Aneline hatte ja schon früher einen Youtube-Kurs von Lea absolviert, wie man eigene KI-Agenten einrichtet. Die künstliche Intelligenz braucht nämlich Instruktionen, welche Rolle sie spielen soll, wann und wie sie die gewünschte Aufgabe erfüllen soll. Es hört sich viel komplizierter an, als es ist. Der Vorgang an sich ist wirklich ein Kinderspiel. Nachdem Aneline einen Assistenten für Print-on-Demand-Marketing ihrer Bilder einrichtet hatte, gab es nur gute Erfahrungen, also los!
Aneline wählte für die Konversationen eine weibliche Stimme aus und diktierte ihr:

Aneline war stolz auf ihre Leistung im Glauben, dass sie alles gut vorbereitet hat. Sie habe eben schon Erfahrung. Leider, leider. Bereits die erste Unterhaltung offenbarte große Mängel der Rollenbeschreibung.

Ihre GPTine schlüpfte in die Rolle einer sehr dynamischen Lehrerin, die ihre Schülerin nach einer jeder Äußerungen lobt, aber auch gleich viel bessere Alternativen anbietet. Sie forderte Aneline auf, die Beispiele zu wiederholen oder ähnliche Antworten zu formulieren.

Zuweilen fiel es Aneline schwer, sich durch diese Einlagen an das eigentliche Thema des Gesprächs zu erinnern. Es war auch offensichtlich, dass ihre GPTine gar kein Interesse am Inhalt selbst hatte. Sie nahm irgendwie nicht an einer Konversation teil, sondern war mit Herz und Blut am Unterrichten.

Noch stressiger war es, dass die KI schon kurze Pausen im Sprechen als das Ende der Äußerung verstand. Das Ergebnis war, dass sie Aneline häufig ins Wort fiel.
Aus technischen Gründen kann die KI wohl auch gar nicht hören, wenn sie selbst am Sprechen ist. Deswegen bemerkte sie nicht mal, dass Aneline weiterspricht. Aneline sah darin keine Respektlosigkeit, nichtsdestotrotz fühlte sich das sehr unangenehm an, wenn der Mitteilungsfluss plötzlich gegen eine Wand lief.

Was dagegen gut funktionierte und sogar die Erwartungen weit übertraf, war das gelieferte Wortprotokoll. Wort für Wort. Als Aneline ihre Äußerungen las, merkte sie, dass alle Mängel ausgebügelt wurden. Alles war korrekt, ohne das Niveau der Strukturen und des Stils zu verändern. Sie las das begeistert einige Male laut vor – damit ihre Ohren den neuen Standard an ihr Sprachlernzentrum weiterleiten. Mit solchen Protokollen kann man echt viel lernen.

Natürlich musste vor einem zweiten Treffen die Aufgabenbeschreibung präzisiert werden.

Und? Hört sich klar an. Hat es geholfen? Wie war die zweite Begegnung?

Da war Englisch dran. Es war schon besser, aber … Naja, sagen wir so: es gibt weiterhin ein Potenzial für Verbesserungen. Die GPTine wartet nicht die Frage ab, wie dies vereinbart wurde, und … würgt dadurch unwillentlich Anelines Äußerungen ab. Das wirkt entmutigend. Daher … ein dritter Versuch hat noch nicht stattgefunden. Mal sehen.

Diesen Beitrag weitersagen

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen