Venus-Idee mag es überall

Die Kreativität des Universums findet unendlich viele Wege, in der materiellen Welt sichtbar zu werden. In diesem Artikel geht es um Anelines persönliche Begegnung mit einer winzigen Strähne dieser Energie. Wann die schöpferische Lust Hände von Aneline wählte, um sich hier auf Erden zu manifestieren?
Vielleicht war sie bereits im Schatten der Lust versteckt, einen Malkurs für französische Hobbymaler zu buchen, wer weiß. Bewusst war Aneline nur der Absichtsgedanke, während des Urlaubs in der französischen Sprache zu baden, ohne in Touristenschuhe zu schlüpfen. Das Malen gab ein passendes Alibi ab. Nur Alibi, denn die Malerei hatte sich aus Anelines Alltag vor einigen Jahren verabschiedet.

Jeden Morgen gab es einen kurzen Dia-Vortrag über 30.000 Jahre alte Höhlenbilder und jeder Tag widmete sich einem anderen Thema. Die Mutterschaft stand natürlich am Anfang.


Nach der Betrachtung etlicher Göttinnen erschien auf Anelines Papier eine kurvenreiche Mütterlichkeit mit üpiger Hüfte und ohne Kopf, gemäß dem Zeitgeist, als das Denken nicht so geschätzt wurde. Allerdings … Anelines Kopf schätzte ihr jetziges Malergebnis auch nicht.
– Ach du liebe Zeit! So massiv, so schwerfällig … also neee. Heutzutage könnte frau doch leichter daherkommen, oder?
Die Muse lieferte brav die Leichtigkeit pur. Grad mal sieben geschwungene Linien ließen eine schwangere Madonna erscheinen.

– Oh ja, besser …
Die Malkollegin am Tisch schielte herüber:
– Alles so weich, so rund, so fließend, wie es sich für die Weiblichkeit gehört.
Sofort stiegt ein innerer Trotz auf:
Von wegen! Die Weiblichkeit kann auch anders …
In wenigen Sekunden hat Anelines Hand einige schwarze, betont gerade Striche gezogen – nix mit ‚fein, weich und rund‘. Die Flächen wurden sofort von den Farben bezogen.

Das Ergebnis betrachtete Aneline etwas verdutzt.
– In der Tat anders … Nicht schlecht, diese Venus hat was.

Die Regenbogen-Venus landete für einige Jahre in der Mappe mit Erinnerungen von dem Malkurs. Aneline sah nur manchmal ihr Foto beim Scrollen durch die Fotobestände im Handy – mit Bedauern, dass die Muse wieder verstummt war. In jenem Urlaub war sie wohl nur solidarisch der Französischliebe zur Seite gesprungen.

Neuerdings kam die Blog-Zeit in Anelinas Leben. Die Wortgewalt machte sich breit und erzwang nebenbei viel Engagement für technische Anliegen. Die Artikel sollten ursprünglich mit Anelinas alten Gemälden ‚garniert‘ werden, die frau im Photoshop an das jeweilige Artikelthema anpassen würde. Aber da kam der neue Wind mit der künstlichen Intelligenz, die nach Wunsch malen könnte, und die kreative Energie weckte eine neue Lust, das auszuprobieren. Dafür waren allerdings Internetkurse erforderlich, um das richtige Prompten zu lernen.
Und siehe da … – vor Kurzem hat sich Aneline dagegen gesträubt, „Googlisch-Denken“ für SEO-Zwecke zu lernen. Nun vertiefte sie sich in erheblich kompliziertere Materie und kein einziger Gedanke muckte auf.

Die Regenbogen-Venus war von Anfang an dabei. Zuerst als stille Beobachterin der Lernbemühungen von Aneline, indem sie als Account-Logo für Midjourney fungierte.

Während einer Übung mit diversen Parametern und Stil-Anweisungen tauchte plötzlich die Idee auf, der KI anstelle langer Textbeschreibungen irgendein Bildbeispiel zu geben. Der Gedanke war so stark mit Aktionsenergie geladen, dass eine Suche nach passendem Bildmotiv nicht infrage kam, Anelines Hand packte das Venusfoto in die Befehlszeile für die KI und fügte hinzu: „Farbfenster“. Die schwarzen Konturen boten sich ja geradezu dafür an.

Die digitale Muse präsentierte im Nu Fenster im Jugendstil, als wenn sie wüsste, dass dies Anelines Lieblingsabschnitt der Kunstgeschichte ist. Frau glaubte fast, das Kichern der Muse zu hören.

Das macht Spaß! Weitermachen! Greifen wir jetzt in die Schmuckschatulle.

Et voilà – die geschmeidige Linie beherrschte wieder das Frauenbild. Auffallend ist: KI hatte mein Stichwort ‚Halsanhänger‘ und … offensichtlich den Dateinamen des angehängten Fotos ‚Regenbogen-Venus‘ benutzt und meinen Wunsch wortwörtlich wie sonst selten umgesetzt: dreimal Venus mit einem originellen Schmuck am Hals. Im Falle der Fenster zuvor wurden dem Fotobeispiel bloß der Stil und die Farbskala entnommen.

Bei der Zweitrunde mit gleichem Prompt scheint der Schmuck erneut bei den Farbfenstern anzuknüpfen.
Die Übung mutete inzwischen wie ein Rausch-Event an.

– Weiter, weiter! Wie wäre es mit einem bunten Regenschirm?

Naja, fröhlich bunt sind sie in der Tat geworden. Die KI hat wohl hierfür Kaleidoskop gespielt. Die Schals hat sie ungefragt hinzugefügt; sie wird selbstständiger …

Weiter! Welche Partykleider schlägt die digitale Muse vor?

Kann es sein, dass der Muse die Ideen ausgegangen sind? Schon die Schirme wirkten ein bisschen wie von der Stanze. Diese Kleider ähneln sich auch sehr. Und sie eignen sich mehr fürs Karneval als für ’ne Party.
– Schluss mit Mode-Boutik. Lieber etwas Bodenständiges, zum Beispiel … Kaffee-Service!

Was !?! Das kann doch nicht wahr sein. Schluss für heute! Auch KI ist mal erschöpft und verdient Feierabend.
Oder wollte sie Aneline verspotten? Wie dem auch sei … Basta.

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